Equines Asthma beim Pferd
COB, RAO, Dämpfigkeit, Staublunge — viele Namen, eine Erkrankung. Ganzheitlich begleiten, ergänzend zur tierärztlichen Behandlung.
Ihr Pferd hustet. Oder es hustet gerade nicht — und trotzdem stimmt etwas nicht. Ich begleite Sie und Ihr Pferd auf diesem Weg: ruhig, gründlich und ergänzend zur tierärztlichen Behandlung.
Viele Namen — eine Erkrankung
Ihr Tierarzt sagt COB. Im Internet steht RAO. Im Stall sagen alle Dämpfigkeit. Und die Nachbarin nennt es Heuallergie. Kein Wunder, dass man den Überblick verliert.
Die gute Nachricht: Damit ist fast immer dasselbe gemeint — sofern kein Infekt dahintersteckt. 2016 haben internationale Fachgesellschaften all diese Begriffe unter einem Namen zusammengefasst — Equines Asthma.
Alles Namen für dieselbe Erkrankung:
COB COPD RAO IAD Dämpfigkeit Staublunge Heustauballergie chronische Bronchitis Stallhusten
Unterschieden wird heute nur noch nach dem Schweregrad — und danach, wo die Auslöser liegen:
- Mildes bis moderates Asthma (früher IAD) — das Pferd atmet in Ruhe normal. Auffällig sind Leistungsabfall, längere Erholung, gelegentlicher Husten.
- Schweres Asthma (früher RAO, COB, Dämpfigkeit) — das Pferd atmet schon in Ruhe angestrengt, mit Bauchpresse und verlängerter Ausatmung.
- Weide-Asthma — die seltenere Form: Hier verschlechtert sich das Pferd auf der Weide, nicht im Stall. Auslöser sind Gräserpollen und Pilzsporen im Freien.
Wichtig zu wissen: Ein Pferd mit mildem Asthma bekommt nicht automatisch später ein schweres. Das sind zwei Schweregrade derselben Erkrankung — keine Treppe, die jedes Pferd hinaufsteigen muss.
Drei Begriffe, die oft verwechselt werden
„Lungenpfeifer“ ist kein Asthma. Wenn beim Pferd von „Pfeifer“ oder „Kehlkopfpfeifer“ die Rede ist, geht es um eine Lähmung des Kehlkopfs — also die oberen Atemwege. Eine ganz andere Erkrankung mit einer ganz anderen Behandlung.
„COPD“ stammt aus der Humanmedizin. Dort bezeichnet der Begriff eine andere, unheilbare, meist durch Rauchen verursachte Erkrankung. Beim Pferd ist das nicht dasselbe — deshalb wird „COPD“ heute nicht mehr verwendet.
„Emphysem“ ist überholt. Der Begriff wurde früher für Dämpfigkeit verwendet, trifft beim Pferd aber nicht zu. Die Lunge ist überbläht, weil Luft nicht mehr richtig entweichen kann — sie ist nicht zerstört. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn eine Überblähung kann sich mit der Zeit zurückbilden.
Auch ein Pferd, das nicht hustet, kann lungenkrank sein
Das ist der Satz, der in meiner Praxis am häufigsten für Überraschung sorgt. Fast alle Pferdebesitzer denken: Solange mein Pferd nicht hustet, ist die Lunge in Ordnung.
Das stimmt leider nicht. Bei mildem Asthma husten nur etwa vier von zehn Pferden. Sechs von zehn betroffenen Pferden husten also gar nicht — und sind trotzdem erkrankt. Auch die Fachgesellschaften halten ausdrücklich fest: Fehlender Husten schließt die Erkrankung nicht aus.
Und selbst beim schweren Asthma gibt es ruhige Phasen, in denen das Pferd völlig unauffällig wirkt. Die Entzündung läuft in dieser Zeit still weiter.
Worauf Sie achten sollten — auch ohne Husten:
- Ihr Pferd kommt schneller aus der Puste als früher
- Nach der Arbeit dauert es länger, bis Atmung und Puls sich beruhigen
- Atemfrequenz in Ruhe erhöht — ein gesundes Pferd atmet etwa 8 bis 16 Mal pro Minute
- Die Ausatmung wirkt angestrengt oder zweiphasig
- Geblähte Nüstern, obwohl das Pferd nur dasteht
- Die Bauchmuskulatur arbeitet sichtbar mit
- Eine Dampfrinne entlang des Rippenbogens — das Zeichen einer schon länger bestehenden Erkrankung
- Beidseitiger Nasenausfluss, oft nur zeitweise — morgens, nach dem Fressen oder nach der Arbeit
- Leises Räuspern beim Antraben, das man leicht überhört
Beobachten Sie Ihr Pferd in Ruhe — nicht direkt nach der Arbeit und nicht in der Aufregung. Am besten morgens in der Box oder auf der Koppel.
Und noch etwas, das viele überrascht: Wenn die Atemwege sehr stark verengt sind, wird die Lunge beim Abhören leiser statt lauter, weil kaum noch Luft bewegt wird. Ein ruhig klingendes Pferd ist also nicht automatisch ein gesundes Pferd. Deshalb ist eine tierärztliche Untersuchung durch nichts zu ersetzen.
Der größte Hebel liegt im Stall
Was Sie täglich tun, wirkt beim equinen Asthma nachweislich mindestens so stark wie Medikamente.
Staubfreies Raufutter
Bedampftes Heu ist die beste Wahl — es entfernt fast den gesamten lungengängigen Staub. Gewässertes Heu ist die günstige Notlösung: kurz wässern, sofort füttern, nie stehen lassen.
Vom Boden füttern
Kein Heunetz in Kopfhöhe. Am Boden ist die Staubbelastung geringer, und der gesenkte Kopf hilft dem Pferd, Schleim abzutransportieren.
Staubarme Einstreu
Weg vom Stroh: entstaubte Späne, Hanf oder Leinstroh halbieren die Staubbelastung. Und: Pferd beim Misten und Fegen aus dem Stall nehmen.
Luft und Licht
Viel Zeit draußen ist die wirksamste Einzelmaßnahme. Kein Heulager über den Boxen, gute Lüftung ohne Zugluft.
Halle und Transport
Halle vor der Arbeit wässern. Beim Transport den Kopf so anbinden, dass das Pferd ihn senken kann — das schützt die Atemwege messbar.
Geduld
Die Lunge braucht Monate, nicht Wochen. In Studien zeigen sich messbare Verbesserungen nach sechs bis zwölf Monaten — dranbleiben lohnt sich.
Meine Begleitung in der Praxis
Wenn ein Pferd mit Atemwegsproblemen zu mir kommt, schaue ich mir zuerst das ganze Bild an: Haltung, Fütterung, Heuqualität, Stallklima, Vorgeschichte, tierärztliche Befunde. Erst daraus entsteht ein Plan, der zu genau diesem Pferd passt.
Womit ich arbeite:
- Akupunktur (TCVM) — traditionell begleitend eingesetzt bei chronischen Atemwegsbeschwerden
- Manuelle Therapie und Physiotherapie — Lösen der Atemmuskulatur, Faszienarbeit, Mobilisation von Brustkorb und Wirbelsäule
- Individuelle Kräutermischungen — abgestimmt auf das einzelne Pferd, nicht von der Stange
- Homöopathische Begleitung — passend zum Gesamtbild des Tieres
- Fütterungs- und Haltungsberatung — der Teil, der im Alltag den größten Unterschied macht; unter anderem mit Blick auf die Omega-3-Versorgung
- Blick auf Darm und Stoffwechsel — in der Naturheilkunde wird die Verdauung bei chronischen Atemwegsbeschwerden traditionell mitbetrachtet
- Hausaufgaben für Sie — Akupressurpunkte und Massagegriffe, die Sie zwischen den Terminen selbst anwenden können
Warum die Atemmuskulatur so wichtig ist
Ein Pferd mit Asthma muss die Ausatmung aktiv leisten — beim gesunden Pferd geschieht sie fast von allein. Diese Dauerarbeit führt zu Verspannungen in der Atemhilfsmuskulatur, in den Faszien, im Brustkorb und in der Wirbelsäule. Die Rippen werden unbeweglicher, und das Atmen wird noch anstrengender.
Genau hier setze ich an: Wenn Brustkorb und Rippen beweglicher werden, kann das Atmen leichter fallen und der Abtransport von Schleim unterstützt werden. Deshalb löse ich Blockaden in diesem Bereich regelmäßig, nicht nur einmal.
Wie oft ich behandle
Das ist immer individuell — aber ein Rahmen, der sich in meiner Praxis bewährt hat:
- Am Anfang: alle zwei Wochen, wenn das Pferd deutlich betroffen ist
- Danach: alle vier bis sechs Wochen
- Bei stabiler Besserung: alle acht bis zwölf Wochen zur Erhaltung
Die besten Ergebnisse sehe ich bei den Pferden, die regelmäßig behandelt werden — nicht bei denen, die nur im akuten Schub kommen. Die Abstände dürfen mit der Zeit größer werden. Ganz aufhören sollte man aber nicht, denn die Auslöser sind Alltag: Heu, Einstreu, Stallluft, Halle — sie kehren jeden Tag zurück.
Ich arbeite in Chieming am Chiemsee und im Umkreis — Hausbesuche im Stall sind der Normalfall, denn ich möchte sehen, wie und wo Ihr Pferd lebt.
Wann Sie unbedingt den Tierarzt rufen
- Atemnot, gestreckte Kopf-Hals-Haltung, bläuliche Schleimhäute — das ist ein Notfall
- Deutlich erhöhte Atemfrequenz in Ruhe, sichtbare Bauchpresse, geblähte Nüstern im Stehen
- Fieber, Fressunlust, Teilnahmslosigkeit — das spricht für einen Infekt, nicht für Asthma
- Einseitiger, blutiger oder übelriechender Nasenausfluss
- Husten zusammen mit einem plötzlichen Leistungseinbruch
- Husten, der länger als drei Wochen besteht — auch ohne weitere Anzeichen
- Verschlechterung, obwohl Sie im Stall alles umgestellt haben
Nicht jeder hartnäckige Husten ist Asthma: Auch Lungenwürmer kommen infrage, besonders wenn Pferde mit Eseln zusammen weiden. Das lässt sich über eine Kotprobe abklären.
Eine belastbare Diagnose kann nur der Tierarzt stellen — mit Abhören, Endoskopie und gegebenenfalls einer Lungenspülprobe. Meine Arbeit setzt danach an und ergänzt sie.
Mehr davon
Termin für Ihr Pferd
Ich komme in den Stall und schaue mir an, wie und wo Ihr Pferd lebt — Haltung, Heu, Stallluft, Atmung, Muskulatur.
Termin anfragen →
Meine Lehrvideos und Webinare
Aufzeichnungen aus meiner Praxis zum Ansehen, wann Sie möchten — unter anderem zu Atemwegen, Kotwasser und Rücken.
Zu den Aufzeichnungen →Hinweis: Diese Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine Atemwegserkrankung wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt. Aussagen zur Wirkung von Naturheilkunde, Akupunktur, Kräutern und TCVM beruhen auf traditionellem Erfahrungswissen und sind nicht als Heilversprechen zu verstehen. Equines Asthma ist nach heutigem Wissensstand nicht heilbar, aber gut kontrollierbar — entscheidend dafür sind Haltung, Fütterung und eine konsequente tierärztliche Betreuung.