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Fellwechsel beim Pferd

Warum er zur Sonnenwende beginnt — und was das für die Mineralversorgung bedeutet

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Fellwechsel wird vom Licht gesteuert, nicht von der Kälte. Er beginnt zur Sonnenwende — ein halbes Jahr, bevor die Haare fliegen.
  • Wenn das Fell fliegt, ist das neue längst gewachsen. Die Bausteine dafür brauchte das Pferd vorher.
  • Entscheidend ist deshalb keine Kur zum richtigen Zeitpunkt, sondern eine Versorgung, die dauerhaft stimmt — und im richtigen Verhältnis.

Das Licht gibt den Takt

Das Auge meldet dem Gehirn nicht nur Bilder, sondern auch, wie lang die Nacht ist. Über die Hormone Melatonin und Prolaktin steuert der Körper damit den Haarzyklus — wann ein Haar wächst, wann es sich zurückbildet, wann es ausfällt.

Den Ausschlag geben die Sonnenwenden: Nach dem 21. Juni werden die Tage kürzer, der Körper stellt auf Winterfell um. Nach dem 21. Dezember läuft es umgekehrt.

Das Licht bestimmt also den Zeitpunkt. Wie dick das Fell am Ende wird, hängt zusätzlich von Wetter, Haltung und Gesundheit ab. Und weil nicht alle Haarwurzeln gleichzeitig in derselben Phase sind, haaren Pferde auch außerhalb der beiden großen Wechsel.

Vorher versorgen — und im Gleichgewicht

Ein Haar ist längst gewachsen, wenn das alte ausfällt. Wer erst zum Mineralfutter greift, wenn das Fell fliegt, kommt für dieses Fell zu spät.

Fell und Hufhorn bestehen überwiegend aus Keratin. Beteiligt sind unter anderem Zink, Kupfer, die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein sowie Biotin, Selen und Vitamin E. Diese Stoffe wirken nicht nebeneinander her, sondern beeinflussen sich gegenseitig:

  • Zink hemmt die Aufnahme von Kupfer — wer nur Zink zufüttert, kann die Kupferversorgung verschlechtern.
  • Eisen und Mangan konkurrieren mit beiden um dieselben Aufnahmewege.
  • Phytat aus Getreide und Kleie bindet Zink im Darm.
  • Sehr viel Calcium kann die Zinkaufnahme verschlechtern.

Ein einzelner hoher Wert nützt deshalb wenig, wenn das Verhältnis nicht stimmt. Sinnvoll ist: erst messen, dann gezielt füttern.

Ein Wort zu Selen: Hier ist der Abstand zwischen zu wenig und zu viel klein. Zu viel Selen löst ausgerechnet das aus, was man behandeln wollte — Haarausfall an Mähne und Schweif, Schäden am Hufhorn. Selen deshalb nie „auf Verdacht“ zufüttern, sondern nur nach Untersuchung und Rationsberechnung.

Woran Du siehst, dass etwas fehlen könnte

  • stumpfes, glanzloses Fell
  • dunkle Pferde bekommen einen rötlichen Schimmer, das Fell bleicht aus
  • der Fellwechsel zieht sich ungewöhnlich lange hin
  • schuppige Haut, vermehrtes Scheuern
  • brüchiges Hufhorn, Risse, schlechtes Hufwachstum

Das sind Hinweise, keine Diagnosen. Ob wirklich etwas fehlt und was, zeigt erst eine Untersuchung. Meine Empfehlungen sind unterstützend und ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung.

Bitte tierärztlich abklären lassen, wenn:
Dein Pferd das Winterfell im Frühjahr gar nicht, nur stellenweise oder deutlich verzögert verliert — besonders zusammen mit vermehrtem Trinken, vermehrtem Schwitzen, Muskelabbau über dem Rücken, Fettpolstern etwa über den Augen, Teilnahmslosigkeit, wiederkehrenden Infekten oder einer Hufrehe. Das können Zeichen der Hormonerkrankung PPID (oft Cushing genannt) sein, vor allem ab etwa 15 Jahren, gelegentlich früher. Betroffene Pferde sind nicht immer dünn — viele sind normalgewichtig oder rund.

Erst messen, dann füttern

Bevor ich etwas empfehle, schaue ich mir an, wie Dein Pferd tatsächlich versorgt ist: Ich rechne die Ration durch und ziehe Laborwerte hinzu — eine Blutuntersuchung, die ich in der Praxis selbst durchführe, und eine Fellmineralien-Untersuchung. Das Blut zeigt die Lage im Moment der Entnahme, die Fellprobe bildet einen längeren Zeitraum ab; zusammen zeigen sie mehr als jede Untersuchung allein.

Unser Grundfutter im Voralpenraum hat eigene Eigenheiten: eher wenig Selen und wenig Jod. Bei anderen Spurenelementen schwanken die Gehalte von Betrieb zu Betrieb erheblich — deshalb schaue ich mir jede Ration einzeln an.

Du möchtest wissen, wie Dein Pferd versorgt ist?

Melde Dich gern — wir schauen uns Ration und Werte gemeinsam an.

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